CQ de DL2LFH/p in DLFF-116

(Geschrieben 2020 während der COVID-19-Epidemie)

In Zeiten, in denen einem ein Virus die Freude am Reisen verdirbt, denkt man gern an solche zurück, zu denen man sich unmaskiert in den Zug setzen und Freunde besuchen konnte.

Seit etlichen Jahren haben Freunde im Dorf Burow in Nordbrandenburg ein Häuschen, wo seit fast ebensolanger Zeit mehrere Mitglieder des OV Merseburg (W21) und andere Funkamateure immer mal wieder um Mittsommer zu Gast sind. Was heißt Dorf? Ein Ortsteil mit gerade mal einer Straße und 21 Häusern ist das. Ruhe findet man dort im Überfluss. Aber Burow liegt auch in einem WWFF-Gebiet, nämlich DLFF-116 (Naturpark Stechlin-Ruppiner Land). Da lag die Idee nahe, von dort auch mal auf den kurzen Wellen Betrieb zu machen. 2013 brachte Michael, DL3HWM, einen kleinen Mobiltransceiver, der aber respektable 100 W HF lieferte, und eine FD-4-Antenne mit. Der TRX kam in den Schuppen, die Antenne in den monumentalen Kirschbaum daneben. Das brachte unter anderem Paraguay, Kanada, Israel, die USA und Afghanistan ins Log, und es ist ein schönes Gefühl, mal eine Stunde lang mit einem schnöden DL-Rufzeichen CQ zu rufen und genau so lange auch Antworten zu bekommen. Das /p-Suffix und die WWFF-Referenz halfen ungemein, die condx waren aber auch gut. 20 m war das Brot-und-Butter-Band, aber auf 40 m, 30 m, 17 m und selbst auf 12 m waren auch interessante Verbindungen zu finden. Alles lief natürlich im gemütlichen Urlaubs-Stil, es war kein Wettbewerbs-Wochenende, und ich saß auch nicht die ganze Zeit am Gerät, das war ja auch nicht meins. Dafür schienen mir rund 90 Verbindungen in drei Tagen schon eine ganze Menge, wieviele DL3HWM damals gearbeitet hat, weiß ich nicht.

Jedenfalls hatte mir die Aktion dermaßen Spaß gemacht, dass ich bei drei folgenden Besuchen meinen eigenen QRP-Transceiver mitbrachte und als Antenne ein Doublet von 2 x 13 m in den Baum hängte. Meine "Funkerschachtel" hatte ich dabei nicht im Schuppen (da war kein Platz mehr), sondern auf einem Partytisch ausgepackt. Jemand hat ein Foto von mir und dem Rig geschossen, aber da schaue ich ziemlich grimmig drein, das zeige ich lieber nicht (muss mich wohl erwischt haben, als gerade partout niemand antworten wollte - auch das kommt vor - oder am anderen Tischende wurde zu laut geredet). 2014 konzentrierte ich mich auf 30 m, wo es eines Morgens eine schöne QSO-Serie gab. Von meinen Besuchen 2016 und 2017 habe ich nur wenige Verbindungen aus Burow im Log. Vielleicht schwächelte da schon die Endstufe (die ist inzwischen repariert), aber ich hatte bei diesen Gelegenheiten auch mehr selbst gesucht statt gerufen, weil meine laut klappernde britische Hubtaste doch bis ins Haus zu hören war. Nichtsdestoweniger konnte ich mich über mehrere Kontakte mit anderen Portabelstationen freuen, die ihrerseits verschiedene SOTA-, WWFF- und WCA-Referenzen vertraten. Seitdem hat es vorerst nicht wieder mit funktechnisch begleiteten Besuchen in JO63 klappen wollen.

Oben genannte "Funkerschachtel" ist eigentlich ein Frischhaltebehälter für die Küche, der aber einen wasserdicht schließenden Deckel hat. In den Worten von Marion, DL1HRB: "Damit kannst du tauchen!" Drin ist Platz für einen HB-1A (QRP-CW-TRX für 40 m, 30 m, und 20 m), ein passendes Netzteil, ein Anpassgerät in L-Schaltung, die zusammengerollte Antenne, eine alte Socke (mit Sand gefüllt ein gutes Wurfgeschoss zum Ausbringen der Antenne), ein Erdungskabel und etwas Schreibzeug. Obendrauf ein kleines Handtuch, damit's nicht klappert. Nur die Morsetaste passt nicht mehr mit hinein, die muss in einer Tüte mitreisen.

Trotz der relativ wenigen Verbindungen (insgesamt knapp 200) habe ich den Aufwand betrieben, QSL-Karten eigens für diese Aktivitäten zu entwerfen (siehe unten). Man mag einwenden, dass heutzutage zunehmend elektronisch bestätigt wird, aber ich finde, gerade bei Portabelbetrieb hat die klassische Papierform immer noch Vorteile - man bringt nämlich viel mehr Informationen darauf unter als in einem Datenbankeintrag. Weil auch die meisten Funkamateure, die ich kenne, vielseitig interessierte Menschen sind, glaube ich auch, dass der Abriss der Dorfgeschichte nicht fehl am Platze ist. Wer weiß, am Ende bringt es der Gegend auch ausländische Besucher ...

2013 QSL2014-2017 QSL

QSLs von 2013 (links) und 2014-2017 (rechts)


vy 73 de DL2LFH, Jan-Martin
Portable Amateur Radio